Serverraum Löschanlage: Funktion, Richtlinien & Produkte

Eine Serverraum Löschanlage ist ein Instrument zur Brandbekämpfung, das die Ausbreitung des Feuers im Serverraum durch chemische oder gasförmige Löschmittel, wie z.B. CO2, verhindert.
Serverraum Löschanlagen sind mit einer elektrischen Steuereinheit verbunden, welche im Brandfall die Löschanlage auslöst. Typische Arten von Serverraum Löschanlagen sind CO2-Löschanlagen, Inertgas-Löschanlagen und Aerosol-Löschanlagen. Gasbasierte Löschanlagen reduzieren den Sauerstoffgehalt in der Luft, während Aerosol-Löschanlagen dem Brand chemisch das Oxidationsmittel entziehen.
Bei der Installation von Serverraum Löschanlagen sind verschiedene Richtlinien zu beachten, darunter die VdS 2380 und die DIN VDE 0132 zur Brandbekämpfung in Umgebungen mit elektrischen Geräten. Ein durchdachtes Brandschutzkonzept für den Serverraum schildert ergänzend zur Brandbekämpfung auch Vorkehrungen zur Brandverhinderung und Branderkennung. Als fester Bestandteil der Brandbekämpfung bilden Serverraum Löschanlagen eine wichtige Grundlage für effektiven Brandschutz.
SCS FACO bietet Kalt- und Warmgangeinhausungen an, die ein optimales Raumklima unterstützen und somit die Überhitzungsgefahr der IT-Geräte und damit die Gefahr eines Brandes effektiv reduzieren.
Dieser Artikel behandelt den Aufbau und die Funktionsweise einer Serverraum Löschanlage im Detail. Dabei wird auf Montage und Wartung sowie auf Richtlinien eingegangen, die für Serverraum Löschanlagen relevant sind.
Wie ist eine Serverraum Löschanlage aufgebaut?
Eine Serverraum Löschanlage ist so aufgebaut: eine elektrische Steuereinrichtung (EST) überwacht die Funktionen der Löschanlage insgesamt, eine Brandmelderzentrale (BMZ) verarbeitet die Signale der angeschlossenen Brandmelder und die Steuereinrichtung löst die Löschanlage im Brandfall aus.
Zu Löschanlagen im Allgemeinen zählen Inertgas-Löschanlagen, CO2-Löschanlagen, Aerosol-Löschanlagen und Sprinkleranlagen. Sprinkleranlagen eignen sich nicht als Serverraum Löschanlage, da das Wasser die IT-Geräte beschädigt.
Inertgas-Löschanlagen basieren auf einem der folgenden 4 Löschmittel: Stickstoff, Argon, Argonite oder Inergen. Diese Stoffe ersticken den Brand, indem sie den Sauerstoffgehalt in der Luft auf unter 12% senken. Inertgas-Löschanlagen bestehen aus Rohrleitungen mit Löschdüsen, einer Auslösevorrichtung, die ein Signal an die Brandmeldeanlage und die Steuerungseinheit sendet, sowie aus Gasflaschen mit dem entsprechenden Löschmittel. Die Gasflaschen sind aus Sicherheitsgründen in einem separaten Raum außerhalb des Serverraums zu lagern.
Kohlenstoffdioxid-Löschanlagen verfügen über Rohre, die CO2 führen, spezielle Düsen zur Löschmittelverteilung und Tanks zur Lagerung des Löschmittels. Im Brandfall detektiert das Brandmelder- und Rauchansaugsystem Rauchentwicklung und ansteigende Temperatur. Daraufhin wird ein Alarm ausgelöst und die Steuereinheit aktiviert die Löschanlage. Rohre und Düsen befördern das Gas in die entsprechenden Schutzbereiche und verteilen es gleichmäßig. Bei Freisetzung des Löschmittels im Serverraum senkt sich der Sauerstoffanteil in der Luft auf unter 12%.
Aerosol-Löschanlagen benötigen keine Druckbehälter oder Rohrleitungen. Sie werden elektrisch mithilfe von Aerosol-Löschgeneratoren betrieben. Die Löschgeräte an sich werden in den zu schützenden Bereichen im Serverraum angebracht. Die Löschgeräte werden im Brandfall durch die Steuereinheit ausgelöst, welche wiederum mit den Brand- und Rauchmeldern verbunden sind.
Zusätzlich zu den Löschanlagen für den gesamten Serverraum gibt es spezielle Löschanlagen für Schalt- und Serverschränke. Diese zeichnen sich durch eine kompakte Bauweise aus und sorgen für eine schnelle, gezielte Löschung im Fall eines Brandes im Server- oder Schaltschrank.
Neben unterschiedlichem Aufbau unterscheiden sich Serverraum Löschanlagen auch in ihrer Funktionsweise. Die verschiedenen Funktionsweisen von Serverraum Löschanlagen werden im nächsten Abschnitt beschrieben.
Wie funktionieren Serverraum Löschanlagen?
Eine Serverraum Löschanlage funktioniert über einen optischen Rauchmelder, der bei Rauchentwicklung ein Signal an die Steuereinrichtung übermittelt. Die Steuereinrichtung löst die Löschanlage aus, welche im Falle eines Brandes den entsprechenden Bereich mit Löschmitteln, wie z.B. CO2, löscht.
Parallel dazu werden technische Geräte in diesem Bereich automatisch abgeschaltet. Das Monitoring des Systems meldet die Betriebsmeldungen an die designierten Empfänger.
Kohlendioxid (oder C02)-Löschanlagen bzw. Inertgas-Löschanlagen basieren auf Sauerstoffverdrängung und dem Kühleffekt von CO2. Mit dem Kohlenstoffdioxid lassen sich Einrichtungsgegenstände in der Nähe des Brandherdes schützen, da das verflüssigte CO2 eine Aerosolwolke bildet. Ein weiterer Vorteil ist, dass CO2 als Löschmittel nicht elektrisch leitend und somit auch für spannungsführende Komponenten geeignet ist.
Aerosol-Löschanlagen funktionieren mit einem Gemisch aus Gas und festen oder flüssigen Partikeln, welche dem Brennvorgang das Oxidationsmittel chemisch entziehen. In Aerosol-Generatoren ist ein Feststoff enthalten, der über ein elektrisches Signal oder ein Zündkabel Aerosol erzeugt. Das freigesetzte Aerosol besteht im Wesentlichen aus Kaliumhydrogencarbonat (KHCO3), das sich bei einer Temperatur von 50° zu Kaliumcarbonat (K2CO3) zersetzt. Bei diesem Vorgang wird dem Brand Wärme entzogen und die chemische Kettenreaktion des Feuers unterbrochen. Die Unterbrechung der chemischen Kettenreaktion geschieht durch das Kalium-Aerosol, das freie Radikale der Flamme bindet und sie somit davon abhält, sich mit Sauerstoff zu verbinden. Das heißt, der Sauerstoffgehalt der Luft wird nicht signifikant reduziert. Somit besteht keine akute Erstickungsgefahr, wie etwa bei CO2-Löschanlagen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Aerosol-Generatoren maximal 80 dB erzeugen. Bei Gas-Löschanlagen entsteht teilweise ein Schallpegel von über 120 dB, was bei manchen Festplatten zu Störungen oder Ausfällen führt.
Für eine optimale Funktionsweise der Serverraum Löschanlagen ist es wichtig zu wissen, wo diese in der Regel verbaut werden.
Wo werden Serverraum Löschanlagen verbaut?
Serverraum Löschanlagen werden möglichst nah an den voraussichtlichen Brandherden verbaut, also nah an den IT-Komponenten und Serverschränken.
Serverraum Löschanlagen umfassen ggf. eigene Löschsysteme für Server- und Netzwerkschränke. Je näher Löschanlagen sich an der Brandstelle befinden, desto schneller erfolgt die Löschung des Brandes. Dies gilt sowohl für Raumlöschanlagen als auch für Serverschrank- oder Racklöschanlagen.
Inertgas- und CO2-Löschanlagen bestehen aus einem Rohrsystem, das mit Düsen ausgestattet ist, sowie Speichertanks. Vertikale Rohre befördern das Löschgas an die Decke, wo es mit Düsen homogen verteilt wird. Es lassen sich zusätzlich seitliche Düsen anbringen, um z.B. bestimmte Einrichtungsgegenstände zu schützen.
Löschgeräte bzw. Generatoren von Aerosol-Löschanlagen werden im Serverraum vorwiegend an der Decke montiert, da das freigesetzte Aerosol in die obere Luftschicht aufsteigt und sich daher schnell im Raum verteilt. Lokale Anwendungen, wie zum Beispiel die Anbringung innerhalb eines Serverracks, sind ebenfalls möglich.
Bei der Montage von Serverschrank Löschanlagen ist zu beachten, dass Trennbleche ggf. die Rauchentwicklung behindern. Somit löst der Rauchmelder ggf. nur verzögert ein Signal aus. In diesem Fall ist es empfehlenswert, bei der betroffenen Komponente einen weiteren Löschbehälter anzubringen, um den sich entfaltenden Brand effektiv zu bekämpfen.
Serverraum Löschanlagen müssen bestimmte Richtlinien erfüllen, um eine sichere und zuverlässige Funktionsweise zu gewährleisten.
Welche Richtlinien müssen Löschanlagen für Serverräume erfüllen?
Löschanlagen für Serverräume müssen mindestens die Richtlinien des VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) und je nach Anwendungsbereich die DIN 14497, VdS 2380 und die DIN EN 15004 erfüllen.
Inertgas-oder CO2-Löschanlagen sind idealerweise gemäß VdS 2380 und der DIN EN 15004 aufgebaut und ausgelegt.
Die DIN 14497 ist vorrangig maßgeblich für Löschanlagen in Schalt- und Serverschränken.
Die DIN VDE 0132 schildert allgemein geltende Maßnahmen zur Brandbekämpfung im Bereich elektrischer Anlagen.
Derzeit wird an der Richtlinie VdS 6003 gearbeitet, welche sich mit der Überwachung durch Brandmeldeanlagen und dem Schutz durch Feuerlöschanlagen in Rechenzentren und Serverräumen beschäftigt. Sie gilt voraussichtlich ausdrücklich nicht für Kleinlöschanlagen, In-Rack Löschanlagen und CO2-Löschanlagen.
Zusammenfassend müssen Serverraum Löschanlagen die folgenden Richtlinien erfüllen:
- DIN 14497 (Kleinlöschanlagen zum Schutz von Objekten und technischen Einrichtungen)
- VdS 2380 (Feuerlöschanlagen mit nicht verflüssigten Inertgasen)
- DIN VDE 0132 (Brandbekämpfung im Bereich elektrischer Anlagen)
- VdS 6003 (Brandschutztechnische Anforderungen an IT-Räume und Rechenzentren – vorläufiger Entwurf)
- DIN EN 15004 (Gase und Gassysteme)
Für eine funktionstüchtige Serverraum Löschanlage ist abgesehen von den erforderlichen Richtlinien auch die regelmäßige Wartung zu beachten.
Was sollte man bei der Wartung von Serverraum Löschanlagen beachten?
Bei der Wartung von Serverraum Löschanlagen sollte man beachten, dass eine genügende Menge an Löschmittel vorhanden ist, die Düsen und ggf. Leitungen ordnungsgemäß funktionieren und dass bei Gaslöschanlagen ausreichend Druck innerhalb der Löschmittelbehälter besteht.
Die Wartung von Serverraum Löschanlagen ist eine essenzielle Voraussetzung für eine zuverlässige Funktionsweise im Notfall. Löschmittelvorräte sind regelmäßig zu überprüfen, um sicherzustellen, dass die erforderliche Menge zur Löschung eines Brandes vorhanden ist. Die notwendige Löschmittelmenge ist primär abhängig von der Größe des Raumes und der sich dort befindlichen brennbaren Gegenstände. Des Weiteren sind ggf. Drucktests bei den Löschmittelbehältern (z.B. Gasflaschen) und den Rohrleitungen bzw. Auslassdüsen durchzuführen.
Eine regelmäßige und sorgfältige Wartung der Serverraum Löschanlage gewährleistet, dass diese im Brandfall zuverlässig auslöst und der Brand kontrolliert bekämpft wird. Eine Wartung der Serverraum Löschanlage ist mindestens einmal im Jahr notwendig. Das Funktionieren der Serverraum Löschanlage ist eine essenzielle Voraussetzung für den Serverraum Brandschutz insgesamt.
Serverraum Löschanlage: Voraussetzung für Serverraum Brandschutz
Die Serverraum Löschanlage ist eine wichtige Voraussetzung für den Serverraum Brandschutz. Der Serverraum Brandschutz umfasst 3 Komponenten: Brandverhinderung, Branderkennung und Brandbekämpfung.
Die Brandverhinderung umfasst Maßnahmen, welche die Entstehung eines Brandes möglichst unwahrscheinlich machen. Dazu gehören bauliche Maßnahmen (Errichtung von Brandabschnitten, Brandschutztüren etc), die Bereitstellung von Feuerlöschern und Brandmeldern sowie das Einhalten von Verhaltensregeln (z.B. keine offenen Flammen, Rauchverbot).
Für Serverräume bezeichnet Brandverhinderung neben baulichen Maßnahmen und Verhaltensregeln auch die regelmäßige Wartung und konstante Überwachung der IT-Geräte. Brände sind eine mögliche Folge davon, wenn Kabel oder IT-Geräte unbemerkt defekt oder fehlerhaft angeschlossen sind. Auch zu dicht beieinander stehende Server (Abstand < 2,5 cm) oder Racks (Abstand < 50 cm) erhöhen das Brandrisiko. Es entstehen Hotspots, deren Temperatur hoch genug ist, um die Geräte zu entzünden.
Zur Branderkennung in Serverräumen werden Brandmeldeanlagen mit vernetzten Rauch- und Ansaugmeldern eingesetzt. Bei einer direkten Aufschaltung zur örtlichen Feuerwehr erfolgt im Brandfall eine direkte Benachrichtigung. Es ist sinnvoll, die Brandmeldeanlage mit anderen Brandschutzsystemen zu verbinden. Auf diese Art schließen sich beispielsweise automatisch alle Brandschutztüren und es erfolgt eine automatische Auslösung der Löschanlage.
Mittel zur Brandbekämpfung in Serverräumen sind z.B. Feuerlöscher und automatische Löschanlagen. Eine Serverraum Löschanlage deckt einen wichtigen Teil des Brandschutzkonzeptes für den Serverraum ab. Nur im Zusammenspiel mit Mitteln zur Branderkennung ist eine zuverlässige Funktionsweise der Serverraum Löschanlage gewährleistet.
Serverraum Löschanlagen lassen sich in Kalt- und Warmgangeinhausungen von SCS FACO integrieren. Mehr Informationen dazu befinden sich im folgenden Abschnitt.
SCS FACO Kaltgang- und Warmgangeinhausungen für 2 Arten von Serverraum Löschanlagen
Für SCS FACO Kaltgang- und Warmgangeinhausungen empfehlen sich gasbasierte Löschanlagen oder Aerosol-Löschanlagen, da diese den Brand rückstandslos bekämpfen, ohne dass sensible IT-Geräte und Elektrotechnik beschädigt wird.
Bei SCS FACO Kaltgangeinhausungen können 2 Arten von Löschanlagen verwendet werden. Zum einen ist es möglich, eine Löschanlage in die Decke des Kaltgangs zu integrieren. Zum anderen ist auch eine Montage der Löschanlage an der Decke des Serverraums möglich. In diesem Fall werden in der Decke der Kaltgangeinhausungen Makrolonplatten verbaut, die sich im Falle eines Brandes durch die Hitze zusammenziehen und in den Kaltgang fallen, wodurch das Löschmittel zu den IT-Geräten gelangen kann.
Zur Branderkennung in Warmgang- und Kaltgangbereichen ist eine detaillierte Überwachung der Zu- und Abluft nötig. Die Überwachung erfolgt entweder über die Ansaug- bzw. Abluftgitter oder über den Decken- und Doppelbodenbereich.
Zusätzliche Düsen für Gaslöschmittel sind in jedem Fall im Warmgang anzubringen. Wenn die notwendige Löschmittelmenge über die Düsen im Doppelboden zur Verfügung steht, ist es im Kaltgang möglich, auf weitere Düsen zu verzichten. Im Fall einer sauerstoffreduzierenden Löschanlage (z.B. Inertgas) ist darauf zu achten, dass im Doppelboden eine Austrittsöffnung oder Düse vorhanden ist, um die erforderliche Sauerstoffkonzentration zu erhalten.
Lagerung von Gaslöschmitteln innerhalb von Kalt- oder Warmgangeinhausungen sind unbedingt zu vermeiden.
In jedem Fall sind Evakuierungsmaßnahmen vor Freisetzung des Löschmittels notwendig.
SCS FACO berät Sie gern zu all Ihren Fragen zum Thema Brandschutz und Serverraum Löschanlagen im Zusammenhang mit unseren Kalt- und Warmgangeinhausungen.


